Las Meninas – Inszenierte Transformation

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Las_Meninas_(1656),_by_Velazquez.jpg

Las Meninas – oder der Blick in ein neues Gedankengebäude

Der Titel des Gemäldes von Diego Velázques (1656) „Die Hoffräulein“ weist auf das vom Künstler zu malende Sujet hin. Wir identifizieren es unschwer im Zentrum des Bildes. Die Hoffräulein ausgestattet mit den „materiellen Instrumenten der Repräsentation“ (Foucault (1974): Die Ordnung der Dinge. S. 40). Fokussiert auf die Prinzessin, als Repräsentation der zukünftigen Macht im Staat.

Aus der heutigen Zeit heraus würden wir das Sujet der „Hoffräulein“ als ein Hologramm deuten. Foucault beschreibt mit einem Zitat von Pachero einen ähnlichen Gedanken: „Das Bild muss aus dem Rahmen heraustreten.“ Das was der Maler auf die Leinwand überträgt steht nun neben ihm auf derselben Ebene, sie kommunizieren auf „derselben Augenhöhe“, wie wir es im 21. Jahrhundert benennen würden. Der Maler wird so mit seinem von ihm geschaffenen Produkt in der Imagination unmittelbar verbunden. Damit ist der Berufsstand des Malers nicht nur ein unsichtbarer Lieferant eines Gemäldes, dass den Souverän für die Ewigkeit bannt. Der Maler tritt als Schöpfer des Sujets neben sein Produkt. Das Gemälde „Las Meninas“ verkörpert somit eine imaginäre Szene eines neuen Gedankengebäudes, indem das gestaltende Subjekt zusätzlich in den Fokus der Betrachtung gerückt wird.

Das Königspaar im Spiegel und der Besucher im Flur befinden sich als Zuschauer im Außenbereich des Schöpfungsaktes, als Beobachtende. Sie betrachten die Szenerie von außen, als wenn sie durch weitere Fenster in den Raum hineinblicken würden. Sie werden zu Beobachtern einer neuen Haltung. Ihre weitergehende Positionierung zu dieser Beobachtung ist offen, in die Zukunft verlegt. Man hat jedoch den Eindruck, dass die Zukunft, verkörpert durch die Prinzessin, mit dieser Haltung liebäugelt. Sie schmunzelt über diese neue Sichtweise, an diese neue Stellung versetzt worden zu sein.

Die Zukunft präsentiert sich mit ihrer gestaltenden Orientierung der Individuen. Das seine Lebenswelt formende Subjekt wird wahrgenommen. So auch der kleine Junge, der den schlummernden Hund mit seinen Füssen anstupst. Hunde wurden zu damaliger Zeit häufig abgebildet. Sie waren treue Begleiter der Mächtigen und fungieren damit als Repräsentanten der tradierten Machtstrukturen auf den Gemälden.  Der Maler und der Junge rahmen das Sujet mit ihrer Handlungsorientierung und vor allem ihren Aktionen schläfrige Machtstrukturen in Bewegung zu bringen, Regelsysteme zu transformieren.


https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Las_Meninas_(1656),_by_Velazquez.jpg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s